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Das Deutsche Rote Kreuz

Deutsches Rotes Kreuz

Das Deutsche Rote Kreuz ist die deutsche nationale Gesellschaft. Es nimmt Aufgaben wahr, die sich aus den Genfer Abkommen von 1949 und ihren Zusatzprotokollen ergeben, sowie diejenigen, die ihm durch Bundes- oder Landesgesetz zugewiesen sind.
Dazu gehören die humanitäre Hilfe in bewaffneten Konflikten und nach Naturkatastrophen sowie die Verbreitung des humanitären Völkerrechts. In Deutschland koordiniert das DRK in Zusammenarbeit mit den Behörden den Katastrophenschutz sowie den zivilen Rettungsdienst. Zu seinen Aufgaben im Inland gehört insbesondere auch die Wohlfahrts- und Sozialarbeit.
Das DRK besteht aus dem Bundesverband, 19 Landesverbänden, den Kreis- und Ortsverbänden sowie dem Verband der Schwesternschaften mit seinen 34 Schwesternschaften. Der Bundesverband mit Sitz in Berlin hat die Aufgabe, die Zusammenarbeit seiner Mitgliedsverbände durch zentrale Maßnahmen und einheitliche Regelungen zu fördern. Er sorgt für die Einhaltung der Grundsätze und setzt verbandspolitische Ziele.
Oberstes Gremium ist die Bundesversammlung. Ihr gehören 125 Delegierte aus den Landesverbänden, vier Delegierte der Schwesternschaften und der Präsident an. Die Mitglieder des Präsidiums nehmen mit beratender Stimme teil. Die Bundesversammlung beschließt über den Jahresabschluss und entlastet das Präsidium. Die Bundesversammlung kann Beschlüsse des Präsidiums beanstanden und aufheben und jedes Mitglied aus wichtigem Grunde abberufen. Die Bundesversammlung tagt mindestens einmal im Jahr.
Die Grundsätze des Roten Kreuzes

Die Grundsätze wurden von der XX. Internationalen Rotkreuzkonferenz 1965 in Wien proklamiert. Der vorliegende angepasste Text ist in den Statuten der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung enthalten, die von der XXV. Internationalen Rotkreuzkonferenz 1986 in Genf angenommen wurden.

 

Menschlichkeit

Die internationale Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung, entstanden aus dem Willen, den Verwundeten der Schlachtfelder unterschiedslos Hilfe zu leisten, bemüht sich in ihrer internationalen und nationalen Tätigkeit, menschliches Leiden überall und jederzeit zu verhüten und zu lindern. Sie ist bestrebt, Leben und Gesundheit zu schützen und der Würde des Menschen Achtung zu verschaffen. Sie fördert gegenseitiges Verständnis, Freundschaft, Zusammenarbeit und einen dauerhaften Frieden unter allen Völkern.

 

Unparteilichkeit

Die Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung unterscheidet nicht nach Nationalität, Rasse, Religion, sozialer Stellung oder politischer Überzeugung. Sie ist einzig bemüht, den Menschen nach dem Maß ihrer Not zu helfen und dabei den dringendsten Fällen den Vorrang zu geben.

 

Neutralität

Um sich das Vertrauen aller zu bewahren, enthält sich die Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung der Teilnahme an Feindseligkeiten wie auch, zu jeder Zeit, an politischen, rassischen, religiösen oder ideologischen Auseinandersetzungen.

Unabhängigkeit

Die Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung ist unabhängig. Wenn auch die Nationalen Gesellschaften den Behörden bei ihrer humanitären Tätigkeit als Hilfsgesellschaften zur Seite stehen und den jeweiligen Landesgesetzen unterworfen sind, müssen sie dennoch eine Eigenständigkeit bewahren, die ihnen gestattet, jederzeit nach den Grundsätzen der Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung zu handeln.

 

Freiwilligkeit

Die Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung verkörpert freiwillige und uneigennützige Hilfe ohne jedes Gewinnstreben.

 

Einheit

In jedem Land kann es nur eine einzige Nationale Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaft geben. Sie muss allen offen stehen und ihre humanitäre Tätigkeit im ganzen Gebiet ausüben.
Universalität
Die Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung ist weltumfassend. In ihr haben alle Nationalen Gesellschaften gleiche Rechte und die Pflicht, einander zu helfen.

Henry Dunant – Gründer des Roten Kreuz

Henry Dunant wurde am 8. Mai 1828 in Genf geboren. Seine Eltern verfügten in Genf über großen Einfluss und engagierten sich politisch und sozial. Der Vater war Mitglied des Conseil Représentatif, der damaligen Legislative der Stadt Genf, und kümmerte sich um Waisen und Vorbestrafte. Henry Dunants Mutter war im wohltätigen Bereich vor allem für Arme und Kranke tätig. Die wohltätigen Aktivitäten der Eltern schlugen sich auch in der Erziehung ihrer Kinder nieder: Soziale Verantwortung wurde Henry Dunant, seinen beiden Schwestern und beiden Brüdern schon in jungen Jahren nahegelegt. Prägend war für Henry Dunant eine Reise mit seinem Vater nach Toulon, dort musste er die Qualen von Galeerenhäftlingen mitansehen.
Mit dem Wunsch, sich sozial zu engagieren, trat Henry Dunant mit 18 Jahren der Genfer Gesellschaft für Almosenspenden bei. Im darauffolgenden Jahr rief er mit Freunden die sogenannte „Donnerstags-Vereinigung“ ins Leben, einen losen Bund junger Menschen, die sich zu Bibelstudien trafen und gemeinsam hungernde und kranke Menschen unterstützten. Seine freien Abende und Sonntage verbrachte er größtenteils mit Gefangenenbesuchen und der Hilfe für arme Menschen. Am 30. November 1852 gründete er eine Genfer Gruppe des Christlichen Vereins junger Männer (CVJM), drei Jahre später nahm er in Paris an der Gründung des Weltbundes dieser Vereinigung teil. Von 1852 bis 1859 leitete er die Schweizerische Evangelische Allianz.

Henry DunantIm Jahr 1859 hielt sich Kaiser Napoléon III. mit seinem Heer in der Lombardei auf. Dort kämpfte Frankreich auf Seiten Piemont-Sardiniens gegen die Österreicher, die das Gebiet des heutigen Italien zu grossen Teilen besetzt hatten. Napoleons Hauptquartier befand sich in der kleinen Stadt Solferino in der Nähe des Gardasees. Dunant begab sich auf eine Reise nach Solferino, um den Kaiser dort persönlich in geschäftlicher Angelegenheit zu treffen.

Am Abend des 24. Juni 1859 kam Dunant nach dem Ende einer Schlacht zwischen den Truppen Piemont-Sardiniens und Frankreichs unter der Führung Napoleons III. auf der einen Seite und der Armee Österreichs auf der anderen Seite am Schlachtfeld in der Nähe Solferinos vorbei. Noch immer lagen etwa 38.000 Verwundete, Sterbende und Tote auf dem Schlachtfeld, ohne dass ihnen jemand Hilfe leistete. Zutiefst erschüttert davon, was er sah, organisierte er spontan mit Freiwilligen aus der örtlichen Zivilbevölkerung, hauptsächlich Frauen und Mädchen, die notdürftige Versorgung der verwundeten und kranken Soldaten. In der Kleinstadt Castiglione delle Stiviere in unmittelbarer Nähe zu Solferino richtete er mit anderen Helfern in der Chiesa Maggiore, der größten Kirche des Ortes, ein Behelfshospital ein. Hier wurden etwa 500 der insgesamt etwa 8.000 bis 10.000 Verwundeten versorgt, die nach Castiglione gebracht worden waren.
Wie er schnell feststellte, fehlte es an fast allem: an Helfern, an Fachwissen und an medizinischem Material und Verpflegung. Dunant und die seinem Aufruf folgenden Helfer machten bei ihrer Hilfeleistung keinen Unterschied zwischen den Soldaten hinsichtlich ihrer nationalen Zugehörigkeit. Berühmt für diese Einstellung wurde die Losung „Tutti fratelli“ (ital. Alle sind Brüder) der Frauen Castigliones. Es gelang Dunant darüber hinaus, von den Franzosen gefangene österreichische Ärzte für die Versorgung der Verletzten freigestellt zu bekommen. Er richtete Behelfskrankenhäuser ein und ließ auf seine Kosten Verbandsmaterial und Hilfsgüter herbeischaffen. Trotz der Hilfe starben viele Verwundete.

 

Die Gründung des Roten Kreuzes

Unter dem Eindruck dieser Ereignisse kehrte Dunant Anfang Juli nach Genf zurück. Auf Anraten seiner Mutter verbrachte er zunächst einen Monat in der Berghütte eines Freundes der Familie in Montreux. Anschließend reiste er für mehrere Wochen nach Paris. Für sein Wirken in Solferino erhielt er im Januar 1860, zusammen mit dem Genfer Arzt Louis Appia, vom italienischen König Viktor Emanuel II. den „Orden des Heiligen Maurice und Heiligen Lazarus“, die zweithöchste Auszeichnung des Königreichs Italien.
Da er das in Solferino Erlebte nicht vergessen konnte, begann er ein Buch mit dem Titel Un souvenir de Solferino („Eine Erinnerung an Solferino“) zu schreiben. Darin beschrieb er die Schlacht, das Leiden und die chaotischen Zustände in den Tagen nach der Schlacht. Darüber hinaus entwickelte er in diesem Buch die Idee, wie zukünftig das Leid der Soldaten verringert werden könnte: Auf einer Basis von Neutralität und Freiwilligkeit sollten in allen Ländern Hilfsorganisationen gegründet werden, die sich im Fall einer Schlacht um die Verwundeten kümmern würden. Im September 1862 ließ er das Buch auf eigene Kosten von der Genfer Buchdruckerei Fick in einer Auflage von 1.600 Exemplaren drucken und verteilte es anschließend in ganz Europa an viele führende Persönlichkeiten aus Politik und Militär.
Anschließend begab Dunant sich auf Reisen quer durch Europa, um für seine Idee zu werben. Sein Buch wurde nahezu einhellig positiv und mit großem Interesse und Begeisterung aufgenommen, er erhielt Anerkennung und Sympathie. Noch im Dezember 1862 wurde eine zweite Auflage gedruckt, zu Beginn des folgenden Jahres erschienen neben einer dritten auch Übersetzungen ins Englische, Deutsche, Italienische und Schwedische.
Der Präsident der Genfer Gemeinnützigen Gesellschaft, der Jurist Gustave Moynier, machte das Buch und Dunants Ideen zum Thema der Mitgliederversammlung der Gesellschaft am 9. Februar 1863. Dunants Vorschläge wurden geprüft und von den Mitgliedern als sinnvoll und durchführbar bewertet. Dunant selbst wurde zum Mitglied einer Kommission ernannt, der außer ihm noch Gustave Moynier, der General Guillaume-Henri Dufour sowie die Ärzte Louis Appia und Théodore Maunoir angehörten. Während der ersten Tagung am 17. Februar 1863 beschlossen die fünf Mitglieder, die Kommission in eine ständige Einrichtung umzuwandeln. Dieser Tag gilt damit als Gründungsdatum des Internationalen Komitees der Hilfsgesellschaften für die Verwundetenpflege, das seit 1876 den Namen Internationales Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) trägt. Dufour wurde zum ersten Präsidenten ernannt, Moynier wurde Vizepräsident und Dunant Sekretär des Komitees.
Zwischen Moynier und Dunant entwickelten sich bald Meinungsverschiedenheiten hinsichtlich verschiedener Aspekte des gemeinsamen Vorhabens. So hatte Moynier wiederholt den Vorschlag Dunants, Verwundete, Pflege- und Hilfskräfte sowie Lazarette unter den Schutz der Neutralität zu stellen, als undurchführbar bezeichnet und Dunant aufgefordert, nicht auf dieser Idee zu beharren.
Während seiner Reisen durch Europa nahm Dunant vom 6. bis 12. September 1863 am Internationalen Statistischen Kongress in Berlin teil. Dort traf er mit dem Militärarzt Johan Hendrik Christiaan Basting zusammen, der bereits eine holländische Übersetzung des Buchs Dunants erstellt hatte. Dunants Auftrag war es, ein Memorandum und eine Einladung des Internationalen Komitees zu einer internationalen Konferenz an die Teilnehmer des Kongress zu verteilen. Zusammen mit Basting, und ohne Rücksprache mit den Mitgliedern des Komitees in Genf, ergänzte er die im Memorandum enthaltenen Vorschläge um die Idee der Neutralisierung der Hilfskräfte. Diese eigenmächtige Entscheidung Dunants in einer aus Moyniers Sicht zentralen Frage trug dazu bei, den Konflikt zwischen beiden weiter zu vertiefen. Basting präsentierte anschließend als Teilnehmer des Kongresses den anwesenden Delegierten Dunants Ideen. Kurz nach dem Kongress reiste Dunant nach Dresden zu einer Audienz bei König Johann von Sachsen. Auf Dunants Bitte um Unterstützung antwortete der König mit einem Satz, den Dunant in der Folgezeit mehrfach in Briefen an andere ranghohe Persönlichkeiten zitierte:
„Ich werde tun, was in meinen Kräften steht, denn sicherlich würde ein Volk, das sich nicht an diesem menschenfreundlichen Werke beteiligte, von der öffentlichen Meinung Europas in die Acht erklärt werden.“
Im Oktober 1863 kam es in Genf zu der vom Internationalen Komitee geplanten Konferenz. Vertreter von 14 Ländern nahmen daran teil und berieten über Maßnahmen zur Verbesserung der Hilfe für im Felde verwundete Soldaten. Dunant selbst war, auf Betreiben Moyniers, während dieser Konferenz nur Protokollführer. Ein Jahr später fand im August auf Einladung des Schweizer Bundesrates eine diplomatische Konferenz statt, in deren Rahmen am 22. August 1864 von zwölf Staaten die erste Genfer Konvention unterzeichnet wurde. Hier einigte man sich auch auf ein einheitliches Symbol zum Schutz der Verwundeten und des Hilfspersonals: das leicht und weithin erkennbare Rote Kreuz auf weissem Grund, die Umkehrung der Schweizer Flagge.
Dunant war für diese Konferenz nur die Aufgabe zugewiesen worden, für die Unterhaltung der Gäste zu sorgen. Trotzdem stand er in den folgenden zwei Jahren im Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit und erhielt zahlreiche Ehrungen und Einladungen. So wurde er im Frühjahr 1865 durch Napoléon III. in die französische Ehrenlegion la Légion d'honneur aufgenommen. Im Mai des gleichen Jahres traf er in Algier auch persönlich mit dem französischen Kaiser zusammen und erhielt von diesem die unverbindliche Zusage, dass seine Unternehmungen in Algerien unter dem Schutz der französischen Regierung stehen würden. 1866 wurde er nach dem Ende des Preussisch-Österreichischen Krieges von Augusta, der Frau des preussischen Königs und nachmaligen deutschen Kaisers Wilhelm I., zu den Siegesfeierlichkeiten nach Berlin eingeladen und dort ehrenvoll empfangen. Er konnte hier erleben, wie bei der Siegesparade der preußischen Armee Fahnen mit dem Roten Kreuz neben der Nationalflagge gezeigt wurden.